Carl Valentin Drucksysteme Druckpunkt Blog
Anwendungen

Thermotransferdruck auf Verpackungen (Pharma & Lebensmittel)

Thermotransferdruck bringt Haltbarkeitsdatum, Chargennummer und Data-Matrix-Code direkt auf die Verpackungsfolie — ohne Etikett, ohne Tinte, ohne Lösemittel. Ein beheizter Druckkopf löst Farbe von einem Farbband und überträgt sie auf Folie, Papier, Tyvek oder Aluminium. In Pharma und Lebensmittel entscheidet dabei ein Kriterium über alles andere: Die Kennzeichnung muss nach Kühlung, Kondenswasser und Transport noch maschinell lesbar sein. Dieser Beitrag zeigt, wie das Verfahren arbeitet, wo seine Grenzen liegen und worauf es bei der Integration in die Linie ankommt.

Was Thermotransferdruck auf der Verpackung bedeutet

Der Druckkopf enthält eine Reihe einzeln ansteuerbarer Heizpunkte. Jeder Punkt erwärmt eine winzige Stelle des Farbbands, die Farbschicht löst sich vom Trägerfilm und bleibt auf dem Bedruckstoff. Das Band läuft dabei mit, jede Stelle wird genau einmal genutzt.

Zwei Bauformen sind in Verpackungslinien üblich. Beim intermittierenden Druck steht die Folie still, der Druckkopf fährt über sie hinweg — das ist die Betriebsart auf Tiefziehmaschinen, die ohnehin taktweise arbeiten. Beim kontinuierlichen Druck läuft die Folie durch, der Kopf wird nur angestellt; so arbeiten Schlauchbeutelmaschinen.

Wichtig ist die Abgrenzung: Ein Thermotransfer-Overprinter (TTO) bedruckt die Verpackung selbst. Ein Etikettendrucker bedruckt ein Etikett, das anschließend appliziert wird. Beide nutzen dasselbe Druckprinzip, lösen aber unterschiedliche Aufgaben. Wer variable Daten auf eine bereits bedruckte Oberfolie bringen will, braucht den Overprinter.

Warum Pharma und Lebensmittel eigene Anforderungen stellen

Kennzeichnung ist in beiden Branchen kein Zusatz, sondern Teil der Verkehrsfähigkeit.

Arzneimittel. Seit dem 9. Februar 2019 gilt die delegierte Verordnung (EU) 2016/161. Verschreibungspflichtige Arzneimittel tragen ein individuelles Erkennungsmerkmal in einem Data-Matrix-Code: Produktcode, Seriennummer, Chargenbezeichnung und Verfalldatum, dazu ein Erstöffnungsschutz. Der Code sitzt in der Regel auf der Faltschachtel — die Chargen- und Verfallsdaten auf Blisterfolien und Beuteln stehen aber in derselben Prüfkette und werden mitgescannt.

Medizinprodukte. Die MDR (EU) 2017/745 fordert den UDI-Träger auf dem Etikett; die letzte Stufe für Produkte der Klasse I lief am 26. Mai 2025 aus. Sterilbarriere-Verpackungen aus Tyvek oder Verbundfolie werden dabei häufig direkt bedruckt, weil ein aufgeklebtes Etikett zusätzliche Materialien und Prüfaufwand in die Sterilbarriere bringt.

Lebensmittel. Die LMIV (EU) 1169/2011 regelt Mindesthaltbarkeits- und Verbrauchsdatum, die Basisverordnung (EG) 178/2002 in Artikel 18 die Rückverfolgbarkeit über eine Stufe vor und zurück. Beides läuft praktisch über Chargencodierung.

Ab 12. August 2026 zusätzlich: Die EU-Verpackungsverordnung PPWR (EU) 2025/40 gilt ab dem 12. August 2026 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten. Die harmonisierte Sortierkennzeichnung greift erst ab dem 12. August 2028 beziehungsweise 24 Monate nach den Durchführungsrechtsakten — planen sollte man den Platz auf der Verpackung aber jetzt schon. Parallel dazu läuft die Umstellung auf 2D-Codes im Handel (GS1 Sunrise 2027). Wer heute eine Kennzeichnungslösung auslegt, legt sie also für einen Code aus, der in zwei Jahren mehr Daten trägt als heute.

Warum das Verfahren zu diesen Anforderungen passt

Vier Eigenschaften erklären, weshalb Thermotransfer in beiden Branchen verbreitet ist.

Beständigkeit. Harzbasierte Farbbänder ergeben auf Kunststofffolien einen Druck, der wisch- und kratzfest ist und Feuchtigkeit sowie viele Reinigungsmittel übersteht. Für die Praxis heißt das: Der Code ist am Ende der Kühlkette noch lesbar, nicht nur am Ende der Linie.

Auflösung. 300 dpi entsprechen rund 11,8 Punkten je Millimeter, ein Punkt misst etwa 0,085 mm. Für einen Data-Matrix-Code mit einer Modulgröße von 0,3 mm stehen damit rund vier Punkte pro Modul zur Verfügung. Das ist die Reserve, die man braucht, damit die Kanten sauber bleiben und die Verifikation nicht an der Grenze arbeitet.

Kein Lösemittel. Es gibt keine Tinte, die eintrocknet, keine Verdunstung im Verpackungsraum und keine Spülzyklen. Bei Produktwechseln entfällt die Reinigung des Farbsystems.

Keine Bewegungsunschärfe. Weil Kopf und Bedruckstoff im Moment des Drucks entweder beide stehen oder mechanisch geführt sind, entsteht ein definiertes Druckbild — anders als bei berührungslosen Verfahren, deren Abstand zur Oberfläche mitschwankt.

Ein Punkt gehört ehrlich dazu: Migrationsfragen löst das Druckverfahren nicht allein. Gedruckt wird auf der Außenseite, für die Bewertung nach Verordnung (EG) 1935/2004 und der GMP-Verordnung (EG) 2023/2006 — inklusive Abklatsch auf die Innenseite der aufgewickelten Bahn — brauchen Sie die Konformitätserklärungen Ihres Folien- und Bandlieferanten. Fragen Sie diese Unterlagen früh ab, nicht erst im Audit.

Direktdruck oder Etikett? Der nüchterne Vergleich

Kriterium Thermotransfer (TTO) Continuous Inkjet Laser Etikettierer
Auflösung typ. 300 dpi 50–150 dpi mittel bis hoch Ableitung vom Etikett
Verbrauchsmaterial Farbband Tinte, Lösemittel, Make-up keines Etikett, Klebstoff
Barcodes/Logos problemlos eingeschränkt materialabhängig problemlos
Wartung Kopf reinigen, Band wechseln regelmäßige Reinigung Optik, Absaugung Etikettenvorrat, Spender
Risiko am Substrat thermisch begrenzt Tintenhaftung auf Folie Perforation der Barriere zusätzliches Material

Der letzte Punkt ist in der Sterilverpackung entscheidend: Ein Laser trägt Material ab. Auf einer Barrierefolie kann das je nach Aufbau die Funktion beeinträchtigen. Thermotransfer arbeitet ohne Materialabtrag.

Was in der Praxis über die Lesbarkeit entscheidet

Die Verfahrenswahl ist der leichtere Teil. Die schwierigeren Entscheidungen liegen darunter.

Das Farbband muss zum Substrat passen. Wachsbänder sind auf Papier zu Hause. Wachs-Harz-Mischungen decken beschichtete Materialien ab. Reine Harzbänder gehören auf PET, PP, Tyvek und Aluminium — dort, wo Beständigkeit gefragt ist. Ein Band, das auf einer Folie hervorragend läuft, kann auf der nächsten Charge desselben Lieferanten schlechter haften, wenn sich die Oberflächenspannung ändert. Deshalb: Testdrucke mit dem realen Material, nicht mit dem Muster.

Der Gegendruck ist ein Prozessparameter. Zu wenig Anpressdruck erzeugt fehlende Punkte im Code, zu viel verkürzt die Lebensdauer des Druckkopfs. Beides zeigt sich erst nach Wochen.

Die Position muss reproduzierbar sein. Bei Tiefziehmaschinen läuft der Druck vor dem Siegeln — die Toleranz der Folienführung geht direkt in die Positionsgenauigkeit ein.

Verifizieren, nicht vermuten. Für 2D-Codes gilt ISO/IEC 15415, für lineare Codes ISO/IEC 15416. Eine Bewertung nach diesen Normen sagt Ihnen, wie viel Reserve zwischen Ihrem Druckbild und der Unlesbarkeit liegt. Ein Code, der heute gerade so gelesen wird, fällt bei der nächsten Bandcharge aus.

Die Bandkosten stehen fest im Betriebsbudget. Eine 450-Meter-Rolle reicht bei 40 mm Druckbildlänge rechnerisch für etwa 11.000 Drucke. In der Praxis sind es weniger, weil das Band pro Takt einen Sicherheitsvorschub mitnimmt. Genau hier setzt eine Foliensparautomatik an: Sie verringert den Vorschub zwischen den Druckbildern und senkt damit den Verbrauch je Takt.

Wann ein anderes Verfahren besser passt

Es gibt Fälle, in denen wir vom Thermotransferdruck abraten.

  • Sehr hohe Taktzahlen bei kleinem Datenumfang auf Karton. Für ein reines MHD auf der Faltschachtel im Sekundentakt ist Inkjet meist die günstigere Wahl.
  • Stark unebene oder starre Oberflächen. Der Druckkopf braucht eine plane, elastisch unterlegte Fläche. Gewölbte Deckel, Gläser oder Dosen sind kein Fall für den Overprinter.
  • Großflächige, mehrfarbige Motive. Thermotransfer druckt einfarbig. Bei vollflächigen Layouts steigt der Bandverbrauch schnell über das wirtschaftlich Sinnvolle.
  • Betriebe ohne Verbrauchsmaterial-Logistik. Wer keinen Bandwechsel im Schichtplan abbilden will, ist mit einem verbrauchsmaterialfreien Verfahren besser bedient — und akzeptiert dafür andere Einschränkungen.

Diese Einschätzung ändert nichts an der Stärke des Verfahrens. Sie grenzt sie nur ein.

Der DP Futuro II in Zahlen

 Unser Thermotransferdrucksystem ist für den Aufbau auf Tiefziehverpackungs- und Schlauchbeutelmaschinen ausgelegt. Die Druckdaten entstehen am PC, Änderungen am Layout sind ohne Zwischenschritt in der Linie verfügbar. 

Merkmal DP Futuro II 53 DP Futuro II 107 DP Futuro II 128
Auflösung 300 dpi 300 dpi 300 dpi
Druckbreite 53,3 mm 106,6 mm 128 mm
Druckgeschwindigkeit 50–500 mm/s 50–500 mm/s 50–500 mm/s
Drucklänge 340 / 447 / 570 / 630 mm    
Druckverfahren Thermotransfer und Thermodirekt    
Quelle: Carl Valentin DP Futuro II

Schnittstellen: Ethernet 10/100 Base T (LPD, RawIP, DHCP, HTTP, FTP), USB 2.0, seriell RS-232C bis 115.200 Baud, dazu zwei USB-Master-Ports für Tastatur und Speicherstick. Anschluss: 110–230 V AC, 50–60 Hz; Druckluft maximal 6 bar, trocken und ölfrei. Betriebsbedingungen: 5 bis 40 °C bei maximal 80 % relativer Feuchte, nicht kondensierend.

Farbband: Kerndurchmesser 25,4 mm (1 Zoll), maximal 450 m Länge, Breiten bis 55, 110 oder 130 mm je Modellgröße, Farbseite außen oder innen.

Erhältlich in linker und rechter Ausführung, mit Windows-Druckertreiber, Foliensparautomatik, Druckminderer und optionaler externer Steuerung, Speicherkarte oder Etikettengestaltungssoftware.

Fazit

Thermotransferdruck ist dort die richtige Wahl, wo Kennzeichnung dauerhaft lesbar bleiben muss und wo maschinenlesbare Codes im Spiel sind — also in weiten Teilen von Pharma, Medizintechnik und verpackten Lebensmitteln. Er ist nicht die richtige Wahl für jede Anwendung, und das sollte man vor der Investition wissen und nicht danach.

Wenn Sie eine Linie neu auslegen oder eine bestehende Kennzeichnung auf 2D-Codes umstellen: Sprechen Sie mit unseren Anwendungstechnikern. Wir schauen uns Ihr Material, Ihren Takt und Ihre Codeanforderung an — und sagen Ihnen auch, wenn ein anderes Verfahren besser passt.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Thermotransfer und Thermodirektdruck?

Thermodirekt erhitzt ein wärmeempfindliches Material, das sich selbst verfärbt — ohne Farbband, aber mit begrenzter Haltbarkeit unter Wärme und Licht. Thermotransfer überträgt Farbe von einem Band auf ein beliebiges geeignetes Substrat und ergibt einen deutlich beständigeren Druck. Der DP Futuro II beherrscht beide Verfahren. 

Kann ich mit Thermotransfer Data-Matrix-Codes für die Serialisierung drucken?

Ja. Bei 300 dpi stehen für ein Modul von 0,3 mm rund vier Druckpunkte zur Verfügung. Entscheidend ist die anschließende Verifikation nach ISO/IEC 15415 — sie belegt die Qualitätsreserve über die gesamte Charge.

Ist Thermotransferdruck für Lebensmittelverpackungen zugelassen?

Das Verfahren selbst ist kein Zulassungsgegenstand. Bewertet werden Material und Farbband nach Verordnung (EG) 1935/2004 und der GMP-Verordnung (EG) 2023/2006. Lassen Sie sich die Konformitätserklärungen von Folien- und Bandlieferant geben und prüfen Sie die Abklatschbewertung. 

Wie lange hält ein Druckkopf?
Das hängt an Anpressdruck, Energieeinstellung, Substrat und Reinigungsintervall — nicht an einer Katalogzahl. Wer Anpressdruck und Energie so niedrig einstellt, wie es die Verifikation gerade zulässt, verlängert die Standzeit spürbar. 
Wie viele Drucke bekomme ich aus einer Rolle?
Rechnen Sie Rollenlänge geteilt durch Druckbildlänge und ziehen Sie den Vorschub je Takt ab. Bei 450 m und 40 mm Druckbild sind das rechnerisch rund 11.000 Drucke; eine Foliensparautomatik verschiebt diesen Wert nach oben. 

 

BERATUNG

Sie planen ein neues Kennzeichnungsprojekt?

Unsere Spezialisten aus Villingen-Schwenningen beraten Sie gern — von der Etikette bis zur kompletten Print-&-Apply-Linie.